Kanaren

Die Kanaren, das war so eine organisierte und vorgeplante Pauschalreise – Inselhopping. Alle Inseln der Gruppe in wenigen Tagen – wir wollten uns einen Überblick verschaffen. Aber irgendwann mal war uns dieses Hopping zu viel, und wir rissen aus. Wir wanderten durch die kilometerlangen und kilometerbreiten Sanddünen von Playa de Maspalomas auf  Gran Canaria. Seit der Sandwüste in Marokko haben wir für Dünen eine Vorliebe: im feinen Sand zu watscheln und auf die Dünen zu klettern. Auch schön, sich mal hinzuwerfen,  im heißen Sand zu aalen und ein Bild davon zu machen. So ein Bild mit meinen Füßen habe ich bei FB gepostet – und bekam unerwartet viel Post zurück! Irgendjemand hat mich aufgeklärt, Füße zu fotografieren sei derzeit ein Trend, und ich bin trendy!

Ein anderes Vergnügen war eine Wanderung durch Montañas del Fuego auf Lanzarote. Um einen Vulkan liegt dort Lava kilometerlang. Von Weitem sieht das wie ein frisch gepflügtes Feld aus. In der Nähe merkt man, dass die „Erdschollen“ aus Stein und mehrere Meter hoch sind. In das Lavafeld führte ein Weg – mit einem Verbotsschild für Fußgänger. Aber die Lavasteine waren so unwiderstehlich… Meine slawische Rechtswahrnehmung hat über die germanische meiner Frau gesiegt.

Die weitesten Wanderungen haben wir auf Fuerteventura unternommen. Zuerst wollten wir einfach von Morro Jable im Süden nach Cofete im Norden. Dorthin führt eine lange Straße durch die Hälfte der Halbinsel Jandia. Es gibt auch einen kürzeren Weg – über die Berge. Wir entschieden uns für die zweite Variante. Als wir auf dem Bergkamm angekommen waren, eröffnete sich uns ein wahrhaftig einmaliger Blick auf die Bergkette, den Ozean und einen der schönsten und leersten Strände dazwischen. Auch auf die imposante Villa Winter, die weit entfernt von jeder Zivilisation stand und steht – das größte Geheimnis von Fuerteventura. 1937 tobte in Spanien ein Bürgerkrieg, als ein gewisser Gustav Winter sie baute. „Niemand auf Fuerteventura kann verbindlich sagen, warum der deutsche Ingenieur und angebliche Vertraute Adolf Hitlers in der Einöde die Villa bauen ließ“, schrieb einmal „Süddeutsche“. „Die Rede ist davon“, so „SZ“, „dass die Villa über ein unterirdisches Höhlensystem mit dem Meer verbunden war. Darunter soll angeblich ein U-Boot-Stützpunkt gewesen sein. Auch zwei verwitterte Rollfelder für Flugzeuge im Süden der Halbinsel Jandia sowie Überreste einer Bergbau-Lore von Krupp geben Anlass zu Rätseln.“ Spekulationen gibt es viele: U-Boot-Stützpunkt (Deutscher? Spanischer?), Schmuggel, Spionage…

Die Reste des Rollfeldes haben wir später auch gesehen. Beton inmitten der Einöde, wo kilometerweit nur  wilde Natur liegt, sieht bizarr aus: Woher und wofür?

Auf den Reisen bleiben oft viele Rätsel unbeantwortet. Vielleicht für eine heimische Nachrecherche. Oder für eine erneute (Pauschal?)-Reise an den geheimnisvollen Ort.