Kuba

Die Erde in der Ukraine ist schwarz. Die Erde auf Kuba ist rot. Das haben wir aber später erfahren, als wir unsere roten Schuhe vom Staub putzten…

Doch zuerst waren wir einige Tage in Havanna: kaputte Autos, kaputte Häuser, kaputte, aber fröhliche Menschen… Cuba Libre, Mojito, Hemingway, Daiquiri. Lebendiger Oskar Lafontaine vor einer Kirche. Dann fuhren wir mit dem Mietauto durch die ganze Insel: traumhaftes Tal Valle de Viñales, Sienfuegos, Trinidad, Camagüey, Holguín, Santiago de Cuba, Guantánamo, Baracoa.

Wilde Bananenplantagen, Ananasbüsche, Zuckerrohr, Kokospalmen, Kaffeesträucher, Kakaobohnen und beste Mangos der Welt. Und ein (gefühlt) fünfjähriges Kind mit einer Riesen-Machete, das von den Bäumen die besten Mangos der Welt mit großen Steinen abschoss… Wie wir die Äpfel in meiner Kindheit. Aber mit Machete!

Es schloss sich  eine mehrtägige geführte Wanderung durch die Sierra Maestra an –  die Berge, die  junge kubanische Revoluzzer unter Fidel Castro als Rückzugsgebiet nutzten. Natürlich war auch eine Prise Propaganda dabei: Unser Guide konnte die Geschichte nicht anders erzählen. Oder er kannte keine andere Geschichte. Wir waren auch in einem Haus, wo Fidel wohnte (fotografieren verboten!): Mich hat dort ein Kühlschrank verblüfft. Erstens, gab es dort keinen Strom „aus der Dose“, man brauchte ein Stromaggregat und dementsprechend Benzin oder Diesel. Zweitens, ein Transport eines Kühlschranks in die Berge konnte doch vor der Geheimpolizei Batistas, dem damaligen kubanischen Diktator, nicht verheimlicht werden. Drittens, Ende der 50er Jahre war ein Kühlschrank kein üblicher Gebrauchsgegenstand, sondern absoluter Luxus – wer hat ihn wo für Castro gekauft? Und all das, nur damit der kommunistische Commandante einen kühlen Rum trinken konnte? Gleichheit, Brüderlichkeit?

Nein, sagte unser Guide, um Arzneimittel für verwundete Kameraden länger aufzubewahren. Warum stand dann der Kühlschrank in Castros Haus und nicht im Partisanen-Lazarett?

Heute gibt es Portraits von Che Guevara auf Portemonnaies. Sinneswandel auf der Freiheitsinsel?

Es war eine wunderschöne und erhellende Lehrfahrt.